Yukon: Watson Lake – Faro – Mayo – Keno – Dawson City – Tombstone Territorial Park

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In Watson Lake führt kein Weg am Signpost Forest vorbei. Er ist aber auch nicht zu übersehen. Wie schon im letzten Blog berichtet, ist er durch einen heimwehkranken Soldaten, der ein Schild mit dem Namen seines Heimatortes und der Entfernung aufgestellt hat, entstanden. Nach und nach kamen immer mehr Schilder dazu und inzwischen ist es eine touristische Attraktion, die von der Gemeinde unterstützt wird. Auf dem Gelände rund um das Visitor Information Center (VIC) werden immer wieder ca. 3 Meter hohe Holpfähle aufgestellt, an denen die Touristen ihre Schilder (oder andere Dinge) aufhängen. Rund jeder zweite Besucher verewigt sich hier. Bei der ersten Zählung im Juni 1986 hingen etwas über 7.000 Schilder. Bei der letzten Zählung im September 2016 waren es schon über 83.000. Sehenswert sind auch die Filme im Nordic Lights Museum.
Nach sehr netter und guter Beratung im VIC haben wir uns entschlossen, über Ross River und den Campbell Hwy weiter zu fahren. Diese Strecke soll weniger frequentiert und daher geeigneter für Wildbebobachtungen sein. Ersteres traf auch zu; zweiteres eher nicht – außer einem Schwarzbären, ein paar Stachelschweinen und Erdhörnchen haben wir nichts gesehen. Dafür haben wir immer wieder tolle Ausblicke auf Berge und Wälder; leider auch oft auf große abgebrannte Waldflächen. Von Ross River sind wir enttäuscht aber Faro ist etwas schöner und wir machen dort vom Campingplatz aus einen Spaziergang zu den Van Gorder Falls.
Kaum sind wir auf den Klondike Hwy abgebogen, sehen wir einen Grizzly, der in einiger Entfernung vor uns die Straße überquert. Er ist zu schnell oder wir zu langsam. Auf jeden Fall sehen wir ihn nicht mehr, als wir an der Stelle ankommen. Bei den Five Finger Rapids schlagen wir unser Nachtlager auf und laufen am nächsten Morgen noch zu der Aussichtsplatform. Ein paar Kilometer vor Pelly River sehen wir auf der anderen Straßenseite ein Auto stehen und ein Objektiv schaut aus dem Fenster. Also halten wir auch mal an und tatsächlich sind dort zwei Grizzlys, die gemütlich im Straßengraben futtern. Während der eine sich mehr auf die Gräser und Beeren konzentriert, wühlt der andere richtig mit seinen Tatzen am Hang. Ich bin davon ausgegangen, dass er dort nach Wurzeln gräbt, habe aber später gelesen, dass er wahrscheinlich ein Erdmännchennest ausgebuddelt hat. Wir stoppen nochmal am Pelly River View Point und an dem Silver Trail Info Center in Steward Crossing. Den Devil’s Elbow Trail laufen wir dann doch nicht, da hier kürzlich Bären gesichtet wurden. Ansonsten ist die Fahrt auf dem Silver Trail (Hwy 11) recht eintönig mit ab und zu Ausblicken auf den Steward River. Wir fahren bis kurz vor Mayo und übernachten auf dem kostenlosen McIntyre Park Municipal Campground, auf dem außer uns nur noch eine Gruppe Jugendlicher steht. Morgens fahren wir zum VIC in Mayo aber die machen hier nicht so früh auf. So geht es direkt weiter nach Keno, wo wir das Minning Museum besuchen und anschließend auf den Keno Hill hochfahren. Da es hier vor einer Woche noch geschneit hat, ist das letzte Stück Piste noch schneebedeckt. Wir können an den Spuren sehen, dass sich noch keiner ganz hoch getraut hat. Unserem Albatros sollte das doch gelingen. Also Allrad und Sperren rein und ganz langsam zieht er uns hoch. Oben angekommen gibt es dann aber ein unangenehmes Geräusch und Öl läuft aus dem Allradschalter und unter dem Auto tropft es auch aus dem Getriebe. Statt ausgiebiger Mittagspause liegt Ralph unterm Auto und dichtet Getriebe und Allradschalter ab, damit wir wieder den Berg runter kommen. Die nächste Zeit ist nun nichts mehr mit Allrad fahren. Dafür muss der Schalter erst erneuert werden. Wir übernachten nochmal in Mayo und fahren am nächsten Tag weiter nach Dawson City. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Kaffeestop in Moose Creek und am Gravel Lake sind die Wasservögel auch nur weit draußen zu sehen. Bevor wir nach Dawson City reinfahren schauen wir uns erstmal den Midnight Dome an. Dafür geht es kurz vor der Stadt auf einer Strecke von 7,2 km rund 560 Höhenmeter hoch. Oben angekommen hat man dafür einen grandiosen Ausblick auf die Stadt, den Yukon und den Klondike. Da sich unser Albatros doch ganz schön hier hoch gequält hat, beschließen wir, heute nicht mehr in die Stadt zu fahren und direkt hier oben zu bleiben. Am Morgen führt uns unser erster Weg ins VIC. Mit reichlich Prospekten versorgt, können wir die nächsten paar Tage hier in der Umgebung planen. Vorher machen wir aber noch einen Spaziergang durch die Stadt. Ihr Reiz besteht hauptsächlich aus den zum Teil sehr gut renovierten Gebäuden aus der Zeit des Gold Rush und der Promenade entlang des Yukon. Für den nächsten Tag haben wir eine Führung auf der Dredge #4 und Goldwaschen auf dem Programm. Wir fahren direkt für die erste Führung um 10:00h zum Bonanza Creek. Die Dredge ist ein schwimmender „Schaufelradbagger“ der sich seinen eigenen See gräbt indem er vorne Gestein aufnimmt, es in einer Trommel wäscht und siebt und hinten den Abfall wieder ablädt. Dadurch entstehen die hier in der Gegend typischen Steinwälle. In der Trommel wurden aber nur bis zu 3 cm große Goldstücke ausgewaschen. Alle größeren Stücke wurden als „Abfall“ wieder ausgespuckt. Das riesige Gefährt wurde von nur 4 Personen bedient und galt als sehr effektiv. Nachdem wir jetzt alles über das maschinelle Goldwaschen gelernt haben, fahren wir zum Claim #6 und versuchen es mal mit der Hand. Als wir schon ein paar Minuten am Bach sind, kommen zwei Amerikaner mit einem Metalldetektor und später noch ein deutsches Pärchen, die einen Goldwaschkurs gemacht haben. In unserer Pfanne glänzt und glimmert es zwar wie verrückt, aber nichts davon ist Gold. Einmal misst der Amerikaner mit dem Metalldetektor unsere „Ladung“ und es ist wohl auf jeden Fall Metall mit dabei, wir können aber kein Gold auswaschen. Wir hatten zwar Spaß und Abwechslung, müssen aber trotzdem weiter sehen, wie wir unsere Reise finanzieren. Am späten Nachmittag – hier geht mittlerweile die Sonne erst gegen 23.30h unter und dunkel wird es nicht wirklich – setzen wir noch mit der Fähre über den Yukon und fahren auf den Top of the World Highway, der seinen Namen wirklich verdient hat. Die Aussicht auf die Berge ist nicht zu beschreiben und wir sind immer wieder beeindruckt. Da wir jedoch nicht nach Alaska ausreisen wollen, drehen wir nach ca. 50 Kilometern wieder um und checken uns auf den Yukon Campground ein. Der nächste Tag ist der Erholung gewidment. Spät am Morgen laufen wir zur Fähre und bummeln nochmal durch die Stadt, sind aber früh wieder zurück am Platz und faulenzen.
Nachdem wir gestern am westlichsten Punkt unserer Reise waren, soll es nun zum nördlichsten Punkt gehen. Dafür fahren wir den Klondike Hwy zurück Richtung Whitehorse, biegen aber ca. 40 Kilometer hinter Dawson City auf den Dempster Hwy ab. Im Tombstone Territorial Park gehen wir erst ins Interpretive Center und checken dann auf den Campingplatz direkt dahinter ein. Von dort laufen wir noch den Beaver Pond Trail und können an dem riesisgen Bieberdamm auch ein paar Tiere beobachten, obwohl sie eigentlich nachtaktiv sind. Abends nutzen wir dann noch die hier überall auf den Campingplätzen stehenden Firerings und und sitzen draußen am Lagerfeuer. Bevor wir nun wieder umdrehen, fahren wir noch ca. 20 Kilometer weiter nördlich bis zur Continental Divide, mit 1.400 Metern der höchste Punkt auf dem Dempster Hwy. Ab hier fließen die Flüsse nun nördlich in die Bering See. Als wir dort auf dem Parkplatz stehen, kommt ein Iveco mit deutschem Kennzeichen und wir lernen Manfred und Rosita kennen, die bis nach Inuvik wollen. Nachdem wir eine Weile gequatscht haben, trennen sich unsere Wege wieder. Euch weiterhin gute Fahrt. Wir fahren ein Stück zurück und laufen noch den Goldenslides Trail. Der ist zwar nicht sehr lang, mir müssen aber 209 Höhenmeter überwinden. Anschließend geht es endgültig zurück. Auf dem Klondike Hwy fahren wir über Moose Creek, Steward Crossing, Five Finger Rapids, Carmacks und den Fox Lake weiter bis Whitehorse, der knapp 30tausend Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz Yukon. Auffällig ist die inzwischen sehr hohe Anzahl an Campern, die auf den Highways unterwegs sind. Von den Mietfahrzeugen sind geschätzt rund 75% in deutscher Hand. Fast jedes Mal, wenn wir irgendwo anhalten hören wir unsere Muttersprache.

English Version (no translation of German text)

There is no way to miss the Signpost Forest in Watson Lake. As already mentioned in my last blog it has its origin going back to a homesick soldier who put up a sign with the name of his hometown and the distance to it. Today it is one of the tourist attractions and by erecting approx. 3 meter high wooden poles the town encourages tourists to leave a sign. Nearly every 2nd visitor nails a signpost (or something else) to these poles. When the signs were first counted in June 1986 they reached just above 7 thousand. The last count in September 2016 was already well above 83 thousand. Another attraction worth a visit is the Northern Lights Museum, where you can watch two films.
After a very friendly and competent consultation at the Visitor Information Center (VIC) we decide to move north via Ross River on the Campbell Hwy. This drive should be much less busy and therefore increase the chance of wildlife viewing. The first was true but the latter rather not – except a black bear, a couple of porcupines and some marmots we did not see any animals. However, we have lots of great views on mountains and forests; unfortunately this often includes burnt areas. We think Ross River is a bit disappointing but Faro looks nicer and there we go for a hike to Van Gorder Falls from the campground.
We just turned onto Klondike Hwy when we see the first Grizzly in a distance crossing the street but it is either too fast or we too slow. When we reach the area we can’t see it anymore. We stop for the night at Five Finger Rapids and in the morning hike to the viewing platform. A few miles before we reach Pelly Crossing we see a car with a camera peeking out of the window parked on the other side of the road. So we stop as well and indeed we see two Grizzlies lazily grazing in the ditch. Whilst one is feeding from the grass and berries, the other one is working on the ditch with his paws. I thought, it was digging for roots but later read that it more likely was digging up a marmot burrow. We stop again at the Pelly River View Point and the Silver Trail Information Center in Steward Crossing. We skip the Devil’s Elbow Trail since a bear was recently seen in the area. The Silver Trail (Hwy 11) is a bit boring except for a view at Steward River every now and then. We drive until just outside of Mayo, where we stay on the free municipal campground at McIntyre Park. In the morning we drive to the VIC in Mayo but it is still closed. Therefore we continue our trip to Keno where we visit the mining museum and then drive to the sign post on top of Keno Hill. Since it was snowing here a week ago, the last passage is still covered with snow. We can see from the trails that nobody has driven all the way up. We don’t expect this to be a problem for Albatros and switch to 4WD and slowly go up to the top. Just when we got there we heard a strange noise and oil was leaking from the switch and the gear box. Instead of an extended lunch Ralph has to crawl under the car and fix this so that we can safely go back down the hill. Unless the switch is replaced we can’t use the 4WD anymore. We stay another night in Mayo and then move on towards Dawson Creek. We stop for a coffee at Moose Creek and for bird viewing at Gravel Lake, but the birds are only in the far distance. Prior to driving into Dawson City we take a detour to the Midnight Dome. Therefore we turn of the highway just outside of the city and then crawl up the hill. In 7.2 km we climb 560 meters. At the top we are awarded with an impressive view of the town and the Yukon and Klondike rivers. Since it wasn’t easy going for Albatros, we decide to stay for the night. In the morning our first stop is at the VIC where we get lots of information to plan the next couple of days in the area. We go for a walk through the city which derives its charm from the partly very well renovated houses from the gold rush time and the promenade along the Yukon. For tomorrow we planned a guided tour on dredge #4 and gold panning. We leave for Bonanza Creek to take the first tour on the dredge at 10:00h. The dredge is a swimming machine creating its own pond. At the front it digs buckets full of gravel from the river, washes it in a drum and separates the gold through holes in various sizes and then throws out the garbage at the back. This creates the typical walls in this area. Since the drum did not wash out pieces bigger than 3 cm these were thrown out as „garbage”. The impressive machine was operated by only 4 men and was very effective. After learning everything about machine driven gold washing we drive to claim #6 where we can do it manually. A couple of minutes later some Americans arrive with a metal detector and still a bit later another German couple who first did a gold panning course. We see a lot of glimmering stuff in our pan but none of this is gold. Once the American checks our load with his detector and it beeps but we didn’t find any gold. We had fun but we still need to see how to finance our trip. Towards late afternoon – meanwhile the sunset isn’t until 11:30 pm and it doesn’t really get dark at all – we take the ferry across the Yukon and drive the Top of the World Hwy which really deserves its name. Once and again we are impressed by the views on the mountains and valleys. Since we don’t want to cross the border to Alaska we head back after approx. 50 km and check in on the Yukon Campground. The following day is a lazy day. It is nearly lunch time when we walk to the ferry and we stroll through the town again until going back in the afternoon.
After the most western point of our tour yesterday we now want to drive to the most northern point. Therefore we take the Klondike Hwy back towards Whitehorse but turn onto Dempster Hwy approx. 40 kilometers outside of Dawson City. We first go to the Interpretive Center in Tombstone Territorial Park and then check in on the campground just behind the center. From there we go for a walk on the Beaver Pond trail. Although beavers are usually only active during the night we can see a few of them at the big dam. We spend the evening sitting outside at a campfire. Before we finally turn back, we drive another 20 km north to the Continental Divide with 1,400 meters elevation the highest point on Dempster Hwy. From there the rivers flow north towards the Bering Sea. While we are sitting in our car at the parking lot an Iveco camper with German number plates turns of the highway and we meet Manfred and Rosita who are on the way towards Inuvik. We talk for a while but then leave in different directions. Good luck for your future travels. We only drive a short distance and hike the Goldenslides Trail. This is only a short walk but we have to climb 209 meters. Once back at our car we finally turn back. On Klondike Hwy we drive via Moose Creek, Steward Crossing, Five Finger Rapids, Carmacks and Fox Lake until we finally reach Whitehorse, the capital of Yukon with a population of approx. 30 thousand. The last couple of days we noted an increased number of campers and trailers on the highways. An estimated 75% of the rental campers are German driven. Nearly every time we stop somewhere, we hear our mother tongue.

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Ralph Roessler Verfasst von:

3 Kommentare

  1. Mechthild und Walter
    16/06/2017
    Antworten

    Wieder ein super toller Bericht mit dazu passenden Bildern hinterlegt.
    Vielen Dank für die Teilhabe und weiter gute Fahrt
    Grüße von Mechthild und Walter aus HH

  2. Erika Schwarz
    16/06/2017
    Antworten

    Schade, dass ihr kein Gold gefunden habt. Ich hätte es euch gegönnt………
    Vielen Dank für den tollen Bericht und den vielen wunderschönen Bildern. Ich freue mich immer sehr darüber.
    Gruß Erika

  3. Rolf
    01/07/2017
    Antworten

    Wiedereinmal ein klasse Bericht.
    Bin gerade aus dem Urlaub zurück, aber die großen Erlebnisse habt ihr ja
    wohl.
    Verfolge jeden Bericht mit Spannung,
    auch meine Tochter Michaela ist begeistert.
    Weiter so und viel Spass
    Rolf
    DL1EAG

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