Yukon: Whitehorse – Kluane Range – Whitehorse – Carcross – Teslin

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In einem meiner Blogs aus dem letzten Jahr (ich glaube, es war Quebec) habe ich ja mal geschrieben, dass uns in einem Visitor Center auf die Frage nach alternativen Campingmöglichkeiten gesagt wurde: „Well, there is always Walmart camping“. Als wir in Whitehorse bei Walmart ankommen, sehen wir, welche Ausmaße das annehmen kann. Auf einem Schild wird zwar darauf hingewiesen, dass nur ein bestimmter Teil des Parkplatzes für Übernachtungen freigegeben ist, aber es kümmert sich niemand darum und offensichtlich gibt es auch keine Konsequenzen. Auf dem ganzen Platz verteilt stehen bestimmt 50 Wohnmobile und Wohnwagen. Bei einigen ist es offensichtlich, dass sie länger dort stehen. Wir finden in dem freigegebenen Teil einen Stellplatz und machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt bzw. das, was man hier Stadt nennt. Whitehorse ist die Hauptstadt der Provinz Yukon und hat knapp 30 tausend Einwohner. Vom Walmart bis zum anderen Ende der Stadt sind es nur ca. 3 Kilometer. Zuerst laufen wir am Yukon entlang auf einem schönen Rad- und Wanderweg. Als wir rhythmische Musik hören – für mich hörte es sich zuerst an, wie eine Kapelle – biegen wir ab und sehen, dass neben dem Cultural Center Zelte aufgebaut sind. Die Kapelle stellt sich dann als Schiffsbauer heraus , denn in einem der Zelte wird aus einem Baumstamm ein traditionelles Kanu hergestellt und das gleichmäßige Schlagen mit den Werkzeugen hörte sich wie Musik an. Wir beobachten die Männer eine Weile und kommen mit ihnen ins Gespräch. Sie sind seit 20 Tagen an der Arbeit und wollen zur Sommersonnenwende fertig sein. Es ist erstaunlich, wie filigran sie mit den Äxten oder Beilen arbeiten. Weiter geht es bis zum Visitor Center und anschließend runter zum Hafen, wo wir die SS Klondike besichtigen.
Wir haben unsere Route umgeplant um noch einen Abstecher in die Kluane Ranges machen zu können. Dort gibt es – neben Russland – die höchste Anzahl an Grizzlies. Nachdem wir ein paar Einkäufe erledigt haben, geht es also auf den Alaska Highway. Die Landschaft ist wieder beeindruckend und wir können in der Ferne schon die Berge sehen. Da es sehr heiß ist, beenden wir unsere Tagesetappe am Pine Lake Campingplatz und machen dort noch einen kurzen Spaziergang. Im Visitor Center von Haines Junction erfahren wir, dass wir nicht bis an die Gletscher heran kommen. Das geht nur in einer 2-5 tägigen Wanderung oder bei einem Rundflug. Mit Stops an den Aussichtspunkten auf die Kluane Range und auf den Kluane See fahren wir bis zum Cottonwood RV Park, wo wir einen schönen Stellplatz direkt am See bekommen; wenn nur die Mücken nicht wären. Ohne einen Grizzly gesehen zu haben, kehren wir etwas enttäuscht wieder um. Kurz nachdem wir über die Brücke des Kluane See gefahren sind, sieht Ralph dann doch noch einen auf dem ausgetrockneten Teil des Sees. Wir setzen ein Stück zurück und Ralph geht in die Kabine, damit er durch das Dachfenster Aufnahmen mit dem großen Objektiv machen kann und es gelingen ihm auch ein paar sehr gute, denn der Grizzly kommt immer näher und überquert dann die Straße nur ein Stück hinter unserem Auto. Nur ca. 200 Meter weiter kommen uns Radfahrer entgegen. Ralph hält sie an und warnt sie. Zum Glück habe ich ihn am Tag vorher auf die richtige Aussprache von „bear“ hingewiesen. Er hat es oft als „beer“ ausgesprochen. Man stelle sich die Folgen vor, wenn er den in der Hitze strampelnden Radfahrern „Bier voraus“ zugerufen hätte.
Zurück in Whitehorse besuchen wir nochmal die Bootsbauer und nach einer weiteren Nacht bei Walmart fahren wir dann über den South Klondike Highway Richtung Carcross. Am Kookastsoon Lake machen wir Mittagspause und dann nochmal einen Fotostop am Emerald Lake. Wenn dort am Ufer Palmen statt der Tannen stehen würden, könnte man glatt vermuten, dass wir in der Karibik wären. Dort treffen wir auch die beiden Deutschen wieder, die wir schon am Keno Hill gesehen hatten und die jetzt auf dem Weg nach Skagway sind. Da wir auf den gleichen Campingplatz gehen, sitzen wir abends noch gemütlich am Lagerfeuer und später im Albatros zusammen. Am nächstenTag schauen wir uns die Geschäfte rund um das Visitor Center und die alten Gebäude am Fluß entlang an. Für die Nacht suchen wir uns einen Stellplatz außerhalb des Ortes und werden an einem See mit einer kleinen Staustufe fündig. Nach einer schlechten Nacht – uns hat das Rauschen der Staustufe gestört – fahren wir nochmal zum Emerald Lake und anschließend zum Caribou Crossing Trading Post. An beiden Punkten wimmelt es diesmal von Tourbussen. Im Trading Post gibt es ein Museum über die North West Royal Mounted Police und ihre Aufgaben während des Gold Rush. Jeder Goldgräber musste Werkzeug und Vorräte für ein Jahr mitbringen, was an der Grenze zu Kanada kontrolliert wurde. Insgesamt war das rund eine Tonne Material, das die meisten zu Fuß über den Pass bringen mussten. Da dies nur durch mehrfaches Laufen der Strecke ging, bedeutete das, dass die Männer bei ungefähr 35 kg Gepäck pro Tour die Strecke 27 Mal hin und her laufen mussten. So haben sie am Ende für die rund 53 km Entfernung eine Strecke von rund 2.868 km zurückgelegt. Im zweiten Teil gibt es dann eine große Ausstellung mit naturgetreuen Nachbildungen der Wildtiere, die im Yukon leben. Zumindest kann man sie hier alle mal in Ruhe betrachten. Zum Schluss geht es dann noch zu den Schlittenhunden, wo wir auch zwei Wochen alte Jungtiere sehen können. Unseer letzter Stop für heute ist an der Carcross Wüste. Obwohl es offiziell keine Wüste ist, gibt es hier einige schöne Sanddünen. Wir sprechen mit Motorradfahrern, die dort ein paar Runden gedreht haben. Bevor wir weiterfahren, wollen wir morgens noch schnell Bilder für unseren Blog im Visitor Center hochladen. Während wir dort sitzen kommen die beiden Deutschen von ihrer Tour nach Skagway zurück. Gerade als wir den Blog fertig haben, fährt ein Unimog auf den Parkplatz und während wir noch mit seinem Besitzer Drews, der seit ein paar Jahren jedes Jahr im Sommer im Yukon ist, quatschen, kommen auch Christl und Werner, die wir um einen Tag in Whitehorse verpasst hatten, an. Da gibt es natürlich viel zu erzählen und wir fahren zusammen zu Drews Stellplatz im Wald, wo wir abends unsere Lebensmittel zusammenschmeißen und ein tolles Abendessen am Lagerfeuer zubereiten. Gegen 23:30h vertreibt uns dann der Regen in unsere Fahrzeuge. Unsere weitere Fahrt in der Provinz Yukon ist dann bis auf den Besuch des George Johnston Museums in Teslin recht eintönig. George Johnston war ein Mitglied der First Nations. Er war der erste Mensch, der in Teslin ein Auto, einen 1928er Chevrolet, besessen hat, obwohl es dort keine Straßen gab. Die hat er dann mit Freunden und Familie selber aus dem Busch geschlagen und anschließend einen Taxi Service angeboten. Im Winter hat er den zugefrorenen See als Straße genutzt und ist mit dem Auto auf Jagd gefahren. Um nicht zu sehr aufzufallen hat er das Auto jeden Winter weiß und jedes Frühjahr dunkel angestrichen. Außerdem hat er sich selber das Fotografieren und Entwickeln der Bilder beigebracht und zwischen 1910 und 1940 viele Menschen und Ereignisse dokumentiert.

English Version (no translation of German text)

In one of my early blogs (I believe it was the one from Quebec) I already mentioned, that in one of the VICs we were told “Well, there is always Walmart camping” when we asked for alternatives. In Whitehorse we see, how kind of dimension this could have. Although there is a sign, that only a specific part of the parking lot is available for overnight stays, nobody seems to bother and there seem to be no consequences. Spread over the whole parking area are at least 50 campers and it is obvious that some are already parked there for a longer period. We find a place in the “official” area and walk into the city or what is called a city. Whitehorse, the capital of Yukon, has a population which is close to 30 thousand and from the Walmart parking lot to the other side of the city it is a walk of approx. 3 kilometers. Initially we take a nice trail which follows the Yukon River but when we hear a rhythmic sound – I first thought it was a marching band – we turn towards the center where tents have been erected near the Cultural Center. The marching band then turns out to be boat builders. They are constructing a traditional canoe out of a spruce tree and their hammering was what drew our attention. For a while we watch the men at work and then talk to one of them. He explains that they are working on the canoe for already 20 days and they expect to finish it for the Summer solstice. It is amazing how precise they work with the axes. We continue our walk to the VIC and later on visit the SS Klondike at the harbor.
We changed our planned route in order to make a side trip into the Kluane Ranges, where they have the highest Grizzly population besides Russia. Therefore we drive on Alaska Highway again after stocking up our food. The countryside is once again impressive and we can see the mountains in the distance. Since it is hot today, we already stop at Pine Lake Campground where we go for a short walk on the interpretive trail. In Haines Junction we learn at the VIC that we will not be able to see the glaciers. This is only possible via plane or a 2-5 day hike. With stops at the viewing points for Kluane Range and Kluane Lake we continue until we reach Cottonwod RV Park, where we camp on a very nice place directly at the lake; if only there were fewer mosquitos. A bit disappointed since we didn’t see any Grizzlies we have to turn back in the morning. Shortly after we crossed the bridge over Kluane Lake, Ralph then spots one on the dry part of the lake. Ralph takes pictures with the big lens from the roof window in our cabin and he manages to get some close ups since the Grizzly comes nearer and crosses the street in a short distance behind our car. About 200 meters further we see two bikers. Ralph stops and warns them about the Grizzly. Luckily we spoke about the proper pronunciation of bear the day before. Ralph tended to pronounce it as beer. Imagine the consequences if in the hot weather he would have told the bikers “beer ahead”.
After another night at Walmart we move on South Klondike Highway to Carcross. We stop for lunch at Kookastsoon Lake and then for pictures at Emerald Lake. If the shore would have palm trees rather than fir, one could easily believe that we were traveling in the Caribe. At Emerald Lake we meet the Germans again, who we already saw at Keno Hill. They are now on their way to Skagway. Since we stop at the same campground we meet for a nice evening at the campfire and later on in our Albatros. We have a look at all the small shops around the VIC and the old buildings along the river the day after. For the night we find a place near a small lake a bit outside of town. After a bad night – too much noise from the water….. – we drive back to Emerald Lake and then to the Caribou Crossing Trading Post. Both places are busy with tour busses. At the Trading Post we visit the North Western Royal Mounted Police and there role during the gold rush. All prospectors had to bring tools and food for one year which was checked at the Canadian border. All together this was roughly one ton of stuff that most of them had to carry on their back over the pass, which was only possible by doing the trip multiple times. This meant that the men, carrying an average of 35 kilos, had to do the trio 27 times. Adding everything up they walked approx. 2,868 kilometer to cover the distance of 53 kilometer. The second part of the Trading Post has a huge exhibition of ______ of the wild animals living in Yukon. At least here one can study them in detail. Last but not least we watch the sledge dogs and can visit puppies born two weeks ago. Our last stop for the day is at Carcross Dessert. Although officially not a dessert, there are nice sand dunes and we talk to some bikers who were driving them. Before we leave we drive to the VIC to upload pictures for our last blog. We are still sitting there when the two Germans come back from their trip to Skagway and we talk for a while. Just as we finished the uploading, another Unimog enters the parking lot. While we still talk with Drews, the owner, Christl & Werner, whom we missed by one day in Whitehorse, arrive as well. Of course there is a lot to talk about and therefore we all drive to Drews‘ „campground“ in the wood. In the evening we throw together various foods and have a very nice dinner at the campfire until it started raining around 11:30 pm. Except for the visit of George Johnston Museum in Teslin the rest of our drive through Yukon is relatively monotone. George Johnston was a member of the First Nations and the first owner of a car, a 1928 Chevrolet, in Teslin; although there were no streets at the time. He built one with help of family and friends and then offered a taxi service. In winter time he used the frozen lake as streets and went hunting with the car. In order to not draw to much attention from the animals he painted the car white every winter and dark every spring. Additionally he teached himself to take and develop pictures and thus documented a lot of the people and events during 1910 and 1940.

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Ralph Roessler Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Angelika
    11/07/2017
    Antworten

    Hallo ihr Weltreisenden!
    Toller Bericht und wieder sehr schöne Bilder! 👍

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