Baja California Norte

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Wir sind jetzt in Mexiko, genauer gesagt auf der Baja California, und ich weiß nicht so recht, wie ich unsere Eindrücke beschreiben soll. Nach dem Chaos des Grenzübertritts (siehe vorherigen Blog) suchen wir als erstes eine Möglichkeit zu tanken und USD in Pesos zu wechseln. Dabei machen wir dann auch direkt die ersten Erfahrungen mit den in Mexiko weit verbreiteten Topes. Das sind Erhebungen auf der Straße, die statt Ampeln den Verkehrsfluß regeln. Es gibt sie in unterschiedlichen Varianten – breit und flach, breit und hoch, schmal und hoch oder einfach auch nur Reflektoren auf der Straße – und man findet sie an jedem Ortsein- bzw. –ausgang und oft auch noch mehrere im Ort. Die meisten haben es ganz schön in sich und man tut gut daran, rechtzeitig abzubremsen und langsam über sie zu fahren. Da wir etwas gestresst sind, sehen wir nur zu, dass wir Diesel bekommen und in einer Wechselstube Geld wechseln. Wie sich später herausstellt, ist das auch die einzige Möglichkeit, um Bargeld zu tauschen. Bei Banken geht das nur, wenn man dort ein Konto unterhält. Statt der geplanten USD 500 kann ich nur USD 200 tauschen, aber das sollte vorerst reichen. Wir haben ja oft gehört, dass die Baja nicht das wirkliche Mexiko ist, da sie sehr stark kanadisch und amerikanisch beeinflußt ist. Wir sehen viele leer stehende Wohn- oder Clubanlagen. Viele Häuser und Appartments werden zum Verkauf angeboten. Einige Anlagen lassen noch erahnen, wie sie zu besseren Zeit mal ausgesehen haben. Die Finanzkrise hat hier deutliche Spuren hinterlassen. Häuser in ländlichen Gegenden sind meist in einem halb fertigen oder halb verfallenen Zustand und sehen oft so aus, als würde sich keiner mehr drum kümmern. Auffällig ist der viele Müll, der neben den Straßen liegt. Im Hafen von Ensenada finden wir einen Stellplatz und am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung San Felipe, wo wir abends Stepelix treffen. Hier übernachten wir auf einem Campingplatz, der wohl mal zu einem tollen Resort gehört hat. Inzwischen sind aber große Teile des Platzes wieder mit Sand bedeckt. Zusammen fahren wir weiter vorbei an Bauruinen. In Puertecitos suchen wir einen Campingplatz. Der Ort ähnelt aber eher einer Geisterstadt und unsere beiden Autos sind so auffällig, dass der Bürgermeister vorbei kommt um uns zu begrüßen. Kurz hinter dem Ort finden wir dann in einer Bucht einen Stellplatz. Da Stepelix nochmal zurück nach Puertecitos will, verabreden wir als Treffpunkt eine Pemex Tankstelle. Die Landschaft wird etwas schöner und wir halten zwei Mal zum Fotografieren an; nur an den schönsten Stellen geht das nicht. Mittags machen wir Pause an der Playa del Sol. Der Strand gehört Amerikanern und ein älteres mexikanischen Ehepaar kümmert sich um ihn. Im Bereich der Häuser ist der Strand mit einem Rechen „gefegt“. Auf dem weiteren Weg kommen wir an eine der vielen Militärkontrollen. Die Soldaten spielen Fußball und winken uns vom Spielfeld aus durch. Stepelix beschließt, sich in der Nähe der Pemex Tankstelle einen Stellplatz zu suchen. Wir fahren noch weiter, da man uns gewarnt hat, dass wir ein ganzes Stück Schotterpiste vor uns haben. Tatsächlich fängt die dann auch ca. 20 km hinter der Tankstelle an. Verschlimmert wird die Fahrerei noch dadurch, dass es eine riesige Baustelle gibt und wir über Stock und Stein ausweichen müssen. Bei Coco’s Corner ist dann auch für uns Feierabend. Coco ist ein Amerikaner, der seit etlichen Jahren eine Hütte an einer „Straßenkreuzung“ in der Mitte vom Nirgendwo hat. Er sitzt im Rollstuhl, sammelt Unterhosen von Frauen, die er in seiner Hütte aufhängt (die Unterhosen – nicht die Frauen), war ein paar Mal in der Zeitung und im Fernsehen und wenn man bei ihm ein Getränk kauft, darf man auf seinem Grundstück übernachten. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Gerade als wir am nächsten Tag aufbrechen wollen, sehen wir, dass Stepelix kommt. Wir quatschen noch kurz, dann fahren wir weiter. Um kurz nach 12h sind wir von der Schotterstrecke runter und wieder auf der MEX-1. Wir machen eine kurze Pause und fahren dann noch bis zur Kreuzung mit der MEX-12. Es ist zwar noch früh, aber die Fahrerei war anstrengend und wir gehen auf einen ehemaligen staatlichen Campingplatz, der vor ein paar Jahren zum großen Teil bei einem Sturm zerstört wurde. Auf der gut ausgebauten MEX-12 geht es dann an die Küste. In Bahia de Los Angeles kaufen wir noch ein und essen eine Kleinigkeit, ehe wir zum Strand La Gringa fahren, der als Weihnachtstreffpunkt für ein paar deutsche Reisende ausgemacht ist. Als wir dort ankommen, treffen wir auf Irmgard und Klaus mit ihrem MAN. Wir stellen uns dazu und später kommt Stepelix dann auch noch. Den nächsten Tag vertrödeln wir am Strand. Da es teilweise windig ist, bauen wir unser Zelt als gemeinsamen Treffpunkt auf. Am 23.12. fahren wir nochmal nach Bahia de Los Angeles, um dort ins WiFi zu gehen und unsere Weihnachtsgrüße in die Heimat loszuschicken. Erst sieht es so aus, als würden wir Weihnachten nur zu sechst verbringen, doch kurz vor Sonnenuntergang kommen erst Steffi und Andy, die beiden Radler, die wir im Sommer in British Columbia getroffen haben, und kurz darauf auch Laura und Heiri, die Schweizer, die wir im Joshua Tree Nationalpark getroffen haben. Wir verbringen einen schönen Abend zusammen im Zelt. An Heilig Abend trinken wir mittags Kaffee mit Stollen, Lebkuchen und Spekulatius von Aldi USA und gegen 16:00h (es wird ja früh dunkel) tischen wir das Abendessen auf. Jeder hat zum Essen etwas beigetragen und so wird es ein tolles Festmahl. Anschließend sitzen wir noch am Lagerfeuer und im Zelt gemütlich zusammen. Am nächsten Tag bauen wir unser Boot auf, dann ist es Ralph aber doch zu windig. Als wir beim Kaffee sitzen, merkt Steffi auf einmal, dass das Boot abtreibt. Andy versucht noch, hinterher zu schwimmen, schafft es aber nicht, es einzuholen. Das ganze wurde von zwei Kanufahrern, die ein Stück weiter am Strand campen, beobachten und sie paddeln los und holen unser Kanu zurück. Ich hatte es schon aufgegeben. Am zweiten Weihnachtstag brechen Irmgard und Klaus und Stepelix auf. Wir haben allerdings einen Treffpunkt für Silvester ausgemacht. Der Rest bleibt noch und wir verbringen einen ruhigen Tag. Nachmittags kommt dann Holger, ein deutscher Radfahrer, und wir verbringen den Abend wieder alle zusammen im Zelt. Am Morgen brechen als erstes die Radler auf und gegen 12h verabschieden wir uns dann auch von Laura und Heiri. In Bahia de Los Angeles kaufen wir uns nochmal einen 30-minütigen WiFi-Zugang ehe wir zurück zur MEX-1 und weiter Richtung Süden fahren. Die Straße ist auf ein paar KM sehr schlecht mit riesigen Schlaglöchern und wir kommen durch Orte mit nicht markierten/angekündigten Topes. Bei Guerrero Negro erreichen wir dann die Baja California Sur. Für die Nacht fahren wir raus zum Leuchtturm, wo wir auf Irmgard und Klaus treffen.

English Version (no translation of German text)
We are now in Mexico or, to be more precise, on Baja California Norte, and I’m not sure how to express our impressions. After the somehow chaotic border crossing (see last blog) we are desperate to find a fuel station with diesel and an option to change USD into Pesos. While driving, we have our first experiences with the very common topes. These are street ramps, designed to control the traffic flow. They come in all Kind of different forms – wide and flat, wide and high, narrow and hight and sometimes they are purely small reflector bumps – and you’ll find them at each town’s entrance and exit and often there are multiple within the towns. Most of them are pretty violently and it is recommended to early brake and drive over them very slowly. Since we’re still a bit stressed we just make sure to fill up our diesel tank and to get Pesos in a foreign exchange office. Later we will learn, that this is the only way to change cash. Banks only accept cash if you have an account with them. However, I can’t change the planned USD 500 but only USD 200. This should be ok for the first couple of days. We were often told, that Baja is not the real Mexico, since it has a very Canadian and American influence. We see a lot of empty houses and resorts. Many houses and apartments are up for sale and some of the resorts still give us an idea how they looked like in better times. The financial crisis has left some heavy scars. Houses in more rural areas are often either only half built or already half falling appart and it seems, as if nobody cares for them. Eye-catching is the huge amount of garbage scattered besides the roads. We find a place for the night at the harbor in Ensenada. In the morning we move towards San Felipe, where we meet Stepelix. Together we spend the night at a campground that once belonged to one of the great resorts. Meanwhile half of the place is covered with sand dunes. Together we continue our trip past construction ruins. We try to find a campground in Puertecitos but the village looks more like a ghost town and our two Unimogs are so showy that the „major“ stops by to say hello. We finally find a place a few miles later. Since Stepelix wants to go back to Puertecitos we agree on a meeting point at a Pemex station. The country side becomes a bit nicer and twice we have a short picture stop but unfortunaltey we can’t stop at the really beautiful places. For our lunch break we drive to Playa del Sol. The beach is owned by Americans and an elderly Mexican couple takes care of it. Where the condos are the beach is swept with a broom. We pass one of the many military stations. The soldiers are playing soccer and they just wave us through from the field. Stepelix isn’t up for more driving and would rather like to find a place close to the Pemex. However, since we were warned that the road gets pretty bumpy, we want to already drive a few more miles. Indeed the road gets bad about 14 miles later. The worst thing is, that due to road work, we litreally have to drive over hill and dale. At Coco’s Corner we call it a day as well. Coco is an American, living in a hut at a street corner in the middle of nowhere. He is confined to a wheelchair and collects women’s slips, that he displays in his hut. There have been a couple of articles about him and he was visited by a televison crew as well. If you buy a drink, he’ll let you stay for the night on his parking lot. I’m undecided what to think of this whole scenario. Just as we want to leave in the morning, we see Stepelix approaching. After a short chat we continue our trip and finally make it back on MEX-1 around 12 pm. After a short break we drive to the junction with MEX-12. Although it still is early, the driving has been streneous and we therefore stop at an old state campground that was partially destroyed by a hurricane a couple of years back. We drive towards the coast on MEX-12 which is pretty good. In Bahia de Los Angeles we stop for some shopping and lunch and then we drive the last miles to La Gringa, the meeting point for Christmas agreed with some other German travelers. Upon arrival we meet Imrgard and Klaus with their MAN. We join them and later on Stepelix arrives as well. We spend the whole next day at the beach. Since it is windy, we decide to put up our tent as a mutual meeting point and wind cover. On 23rd December we drive to Bahia de Los Angeles to get WiFi acces and send Christmas greetings home. In the afernoon it still looks, as if it’ll only be the six of us for Christmas but shortly before sunset Steffi and Andy, the cyclers we already met in British Columbia in Summer, and then Laura and Heiri, the Swiss couple whom we met at Joshua Tree NP, arrive. Together we spend a nice evening in the tent. On Christmas Eve we have coffee with Stollen, Lebkuchen and Spekulatius (typical German Christmas cookies) from Aldi in US and around 4 pm (it is getting dark early) we put togehter our diner. Everybody has contributed something and we have a very nice bufett. Afterwards we spend the evening at our camp fire and in the tent. In the morning we put together our foldable canoe but then it gets too windy. Whilst we are drinking coffee, Steffi suddenly realizes that the canoe is drifting away. Andy jumps into the water and tries to catch it, but has to return after a while. Two other canoeists saw what happend and with their own canoe they manage to bring ours back. I already had written it off. Irmgard, Klaus and Stepelix leave on 26th December but we already agreed on a meeting point for New Year’s Eve. All others stay and we spend a very restful day together. In the afternoon Holger, another German cyclist, arrives and again we spend the evening in the tent. The cyclists are the first to leave in the morning and around 12 pm we say goodbye to Laura and Heiri as well. In Bahia de Los Angeles we buy another 30-minute WiFi access pass and then we drive back to MEX-1 and continue south. The next couple of miles MEX-1 is really bad with huge pot holes and some unmarked topes. Shortly before Guerrero Negro we reach Baja California Sur. For the night we drive all the way to the lighthouse where we meet Irmgard and Klaus.

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Ralph Roessler Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Petra Beil
    18/03/2018
    Antworten

    Hallo Ralph und Ute,

    ein toller Bericht.
    Ich bin immer wieder überrascht auf wie viele Menschen ihr während eurer Weltreise trefft die aus Deutschland kommen. Wunderschöne Fotos. Fährt Ute inzwischen auch den Albatros?

    • Ralph Roessler
      19/03/2018
      Antworten

      Hallo Petra,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es tut gut zu wissen, dass unser Blog noch ankommt und gelesen wird. Man darf übrigens auch gerne kritische Worte schreiben.
      Mit den Weltreisenden ist das so eine Sache. Auch wir waren überrascht, wie viele Menschen so „auf der Straße“ leben. Ich muss dazu sagen, jeder der soetwas irgendwann einmal vor hat, sollte alsbald die Koffer packen. Es wir leider immer schwieriger und unbezahlbarer so durch die Welt zu fahren. Angefangen von Staaten die keine Individualreisende mehr über die Grenze lassen (Kein Visa erhalten) oder Staaten die keine Versicherung für solch ein Fahrzeug mehr anbieten oder nur zu exorbitanten Preisen. Das Thema könnte man noch lange breit reden. Tatsache ist, wenn man es wirklich will, wird man einen Weg finden. Zum Schluß möchte ich noch anmerken, die waren Könige dieser Weltreisenden in meinen Augen die Radfahrer sind. Aus eigener Muskelkraft auf einem Rad – nur mit dem notwendigsten ausgerüstet – um die Welt zu fahren, ist eine besondere Leistung. Ich habe tiefe Ehrfurcht vor diesen Leuten.
      Nun zum letzten Punkt, nein Ute fährt den Albatros noch nicht, aber das werden wir auch noch ändern.
      Viele Grüße von Ute & Ralph
      aus Mexico zwischen Palenque und Campeche bei 38 °C.

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